Berliner Tagebuch #5

von Alfriede Kerl

Auf nach Italien! Frühling! Es gießt wie aus Eimern! Ansonsten Mailand phantastisch. Vor allem das Essen. Werde mir zum Frühstück jetzt öfter Macarons und Erdbeertörtchen gönnen und alles mit frischem Parmesan essen – auch die Macarons!

Soziologin K. schreibt mir heut, reiche Menschen haben To-Do-Listen, verlieren nie das Temperament und sagen nicht alles, was sie denken. So gesehen müsste ich längst Millionär sein.

Nach meiner Morgenkorrespondenz, mit Generaldirektor P. zum Lunch ins Grosz. Verkünsteltes „Rich Habits“ Café. P. strahlt. Hat gerade 31 Millionen Euro an EINEN (!) Gewinner überwiesen. Berichte P. bei Avocado-Krüstchen und Lachs-Potpourri über die bei den Studenten sehr begehrten Start-Ups in den zahlreichen Co-Working-Spaces in der Stadt, in denen sie für illegale Unternehmen unter ausbeuterischen Bedingungen (aber dafür mit Tischtennisplatte, Hüpfbällen und Charity-Drinks) non-stop herumprogrammieren. P. daraufhin sehr geknickt. Beklagt den Verfall der Moral bei den jungen Leuten. Das las ich wiederum das letzte Mal bei Adenauer, der allerdings schon alterskomatös war, als er das Urteil vom moralischen Verfall von sich gab. Eigentlich, denke ich, ist Moral auch noch nie ein besonders ausgeprägtes Merkmal der Jugend gewesen. Überhaupt: Moral, welch großes Wort in diesen zerzaust-zerrüttelten Zeiten. 31 Millionen! Tätschle mitfühlend Ps Hand.

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