London – ein Reisebericht

Well, auf Reisen überkommt mich bekanntlich die Schreiblust und Doppelwell, in London einmal mehr ganz besonders.

Von Flygskam ist nichts zu spüren, in London, im Sommer. Tausende von Touristen schieben ihre schwitzenden Leiber durch die Metropole. Es ist voll, es ist eng, aber auf sonderbar friedliche Weise gliedern sich alle ein in die dahin fließenden Bewegungsströme der Pedestrians. Kein Gemecker, kein Gestöhne, kein lautes oder harsches Wort. Pedestrians in London sind das Anti-Twitter und genießen Sonderstatus. Unbehelligt von surrenden Vehikeln, die einem in anderen Städten um die Füße brausen, flanieren wir an der Themse entlang und selbst im Naherholungsgebiet in Hampstead Heath sind die meisten und zugleich schönsten Wege für Radfahrer verboten, welch Wohltat! Ab jetzt bin ich German, European and Pedestrian! Dass ich finde, dass „Pedestrian“ irgendwie bisschen versaut klingt, liegt vermutlich an meiner für London gewählten Urlaubslektüre „M“, die ich drei Tage zuvor in der münsterländischen Dorfbuchhandlung mit den Worten „soll ein bisschen schlüpfrig sein“ abholte. „M“ entpuppt sich bereits ab Seite fünf als saftiger Porno, auf dem aber aber brav „Roman“ steht und den Ijoma Mangold neulich im Baden-Badener Lesenswert-Quartett empfahl. Daraus vorlesen durfte er nicht, Gastgeber Dennis Scheck wusste warum.

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