Regie
Regieassistenz
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U.H.
Regie
Regieassistenz
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U.H.
Hört auf zu Jammern! Es ist ja alles längst da. ‚If you desire to see, learn how to act‘ (Heinz von Foerster)
Kommt wir gehen
in den Zustand kollektiver Erschöpfung.
Lasst uns an den Händen fassen
und die Köpfe hängen lassen!
Einfach so.
Wir können nicht mehr!
Wir wollen nicht mehr!
Wir wollen keine Leistungsgesellschaft mehr sein!
Was soll der Mist?
Das ewige Aufstiegsversprechen:
Happier, fitter, richer!
Ruft schon der Kleinstkapitalist.
Wozu?
Wir wollen normal sein.
Warum will das eigentlich keiner mehr?
Normal sein?
Fragt der Economist.
Ausgerechnet der!
So weit ist es mit uns gekommen.
Eine Gesellschaft voller Angeber.
Happier, fitter, richer!
Nie zufrieden mit dem, was ist.
Wir wollen nicht mehr, mehr von dem Mehr!
Wir wollen müde sein!
Und erschöpft und allein –
bitte gerne auf Krankenschein.

Früher, da gab es Denker,
die dachten –
sehr exklusiv.
Und es gab Arbeiter,
die arbeiteten –
zum Denken hatten sie keine Zeit!
Dafür gab es ja die Denker,
die dachten für sie mit –
und fühlten sich sehr revolutionär dabei.
Sie dachten, wie sie das Leben der Arbeiter
wohl verbessern könnten.
Und machten
martialische Theaterstücke daraus.
Oh episches Genie!
Jetzt ist es so,
besser.
Und die Denker haben ausgedient
und die Arbeiter spielen Computerspiele.
U.H.
Wir eskapieren uns
in Zustände flüchtigster Erinnerung.
Ephemer flimmernde Schattenrisse,
in Gaußscher Anomalieverteilung,
wie Stroboskope auf unserer Retina.
Fraktal disruptives Stimulanz Bombardement,
zeitgeistige Neocortex Infusion,
Systempertubation im Sekundenttakt,
Sedieren innerer Zerreißung.
Ein Reel nur noch,
dann ist Schluss,
versprochen!
Ute Hamelmann


Glasig leer ist der Blick,
verkokstes Starren ins innere Nichts.
Maximalgewinn, Pappentrip,
noch ne‘ Line, Partnertausch!
Höher, verstehste, Millionenprojekte.
Rausch folgt Rausch folgt Rausch folgt Rausch.
Kaviar, Sex und Hohlgequatsche,
Glitzertusche, Creditcard,
in hellgrüner Bomberjacke,
Torstraßen-Pop-Prekariat.
Was mit Kunst macht hier jetzt jeder,
Richkids tragen Alditasche,
alle Butts ganz geil mit Leder,
Connections, Queerness, Nazi-Asche.
Berghainschlange, Credskultur,
hell yeah, we are fucking Insta-Aktivisten,
in Asi-Look mit Patek-Uhr,
Partykommunisten in Dauerpose,
Champagner-Cocktail,
Prince of Wales!
Und jene, deren Worte einst gewogen,
Hip-Hip, Chin-Chin, Hurra,
dienen als Designer Slogan,
Heiner Müller gratis an der Bar.
U.H.

Ein jeder hat ein Leid zu pflegen,
höchst ratsam, sich eins zuzulegen.
Das Leid an sich ist dernier cri,
so viel gelitten wurd’ noch nie!
Wer leidet wie? Wer stellt‘s zur Schau?
Ist das ein Leid! Da sag ich ‘wow’!
Man hält sich’s wie ein liebes Tier,
umhegt es sorglich mit Manier.
Das arme Leid, so sagt man sich,
was wär’s denn schließlich ohne mich?


In der Hölle, ich weiß es,
werden sie mich anstarren,
Millionen Facettenaugen,
und mit tausend Rüsseln an mir saugen,
mit ihren haarigen Beinchen über mich trippeln,
und an mir nippeln – immerzu:
trip-pel, trip-pel, nip-pel, nip-pel.
Ihre papierenen Flügelchen werden surren,
stundenlang, tagelang, nächtelang!
S-U-R-R-R-R-R-R-E-N!
Und sie werden sich die kleinen Händchen reiben,
wie sie es immer tun, die Händchen reiben.
und sich genüsslich in Gelächter wiegen,
S-S-S-S-SSSSS…
die tausend toten Fliegen.


(Regieanweisung Art Week)
„Megalomanische Hallen,
Entgrenzung is the “Key”,
Episch muss das knallen!
Think Big, XXL-Gigantomanie!“
(Volksbühne)
Wir machen was mit echten Pferden.
Und echtes Blut muss spritzen!
Sich wälzende Nackte in schlammigen Erden.
Ja, das Blut bis zu den ersten Sitzen!
Von oben jetzt, die nackten Frauen,
mastubierend auf gelbem Hubschrauber,
Porn, wie die da von der Decke baumeln.
Geht das Stöhnen noch genauer?
(Iconic, jetzt schon!)
(Derweil in der Neuen Nationalgalerie)
Tanz, Musik und Sundownerbar,
auf dem Boden wälzt sich ein Schwarzer in Ketten,
daneben drängen sich Menschen zur Knubbelschar,
und Brönner jazzt mit den Trumpetten.
Im Schinkelpavillon:
Windelinstallation.
(Meme!)
Kunstjünger mit Pispottschnitten,
Goldketten und schwarzen Demna-Lederkitteln.
Vor Sankt Agnes liegt ein Trauerkranz,
mit weißer Schleife im stillen Gedenken,
für den blinden Grapscherhans,
von wegen Dunkeltanz in Discotempeln.
(Repost: Der König wurde beim xx gesehen, Pfui!)
(Auf dem Dach des Schinkelpavillons, Dämmerung)
Kluge salbardert ausdauernde Gedankenkaskaden,
Sprayer-Grosse nuschelnd hinterher,
Biesenbach mit denglischen Gesellschaftsfragen,
danach weiß auch keiner mehr.
Liberty steht irgendwo.
Liberty, verstehste!
Nee, aber auch egal!
Doherty stiehlt allen sowieso die Show.
war ja klar.
(Nur schade um die Uferhallen, echt schade!)
Dazwischen PR- und Kritikerpersonal,
Vernissage, Finissage, Grill Royal –
Celebrity-Personalunion mit dem Kunstkapital.
und E.ON sponsert sehr loyal #GreenDeal.
(Na woll’n wir mal nicht so spießig sein…)
Ute Hamelmann
Geschrieben in der Bar 3, September 2022
Hypernervöse Hysterie,
Alles ist absolut.
Apokalypse, Weltuntergang.
Ekstase im Echtzeitreel.
Wir sagen “Yes“ zu allem.
Widersprüche aufgelöst.
Werte sind Buttercremtorte,
Ironisch gemeint, na klar.
Das Leben als Dauerevent,
Doppelmonks an Hedonismus-Orten,
mit recyclebaren Papptellern
und Holzgabeln,
immerhin.
Weltekel? Weggekokst!
Will keiner mehr hören, die alten Lieder.
Kunst als Schmerz will auch keiner mehr.
Schmerz ist aus! Perdu! Von gestern!
Fragen Sie Ihren Arzt oder Dealer.
~ Ute Hamelmann



Hot Shit No. 1 (2022), (Salzmehlteig, Schaschlikspieß, Akademie der Künste Wien)
