Legende vom Poète maudit 

Gedichte

Aus dem Bedürfnis heraus wird gedacht.
Sagt Adorno. 
Aus dem Gefühl heraus wird Poesie gemacht.
Sagt man so.
Wie aber muss man sein als Poet?
Wie jemand,
der arbeitet von früh bis spät?
der über den Dingen steht?
der schreiend am Straßenrand hockt?
den trunken die Alltagsflucht lockt?
der die Gesellschaft verdreht?
der Worte auf Goldwaagen legt?
der einsam sich und unverstanden fühlt?
der rastlos sich durch die Antike wühlt?
der psychisch mäandert?
der träumerisch wandert,
der gefühlig bewegt, sich selbst
und die Welt darum nicht versteht?
Kurzum: Man weiß es nicht!
Finde und ergründe
das Bedürfnis!
Allein aus ihm heraus,
ist, 
was entsteht!

(Percy Palaver, Oktober 21)

Traduction française avec intelligence artificielle :

Irren

Gedichte


(Ein Dramolett)

Sage mir, guter Freund,
was muss ich sein,
dass man mir zutraut,
dass ich selber nicht wüsste,
welch‘ Fehler ich hätt‘?
Dass man wahrhaft glaubt,
dass ich selber nicht wüsste,
welch Wille mich bewegt?
Allein das Urteil
fällen die anderen.
Als ob ES so einfach wäre!
Als ob ICH so einfach wäre!
Lasst euch das eine sagen:
ihr irrt komplett!
Ende vom Dramolett!

Ich gehe zur Arbeit

Gedichte

Ich gehe zur Arbeit.
Den immergleichen Weg.
Seit zwanzig Jahren schon.
Nehme den immergleichen Bus.
Mein Bussitznachbar,
dessen Namen ich nicht kenne,
ist irgendwann tot.
Jetzt fahre ich mit einem anderen Mann.
Er segelt um die Welt.
Erzählt von Schäkeln und den Antillen.
Ich gehe zur Arbeit.
Den immergleichen Weg.
Seit zwanzig Jahren schon.
Ein Blatt fällt vom Baum,
fünf 
Zigarettenstummel auf
dem Gehweg vor 
mir an
der Bushaltestelle,
tse, 
heut’ ist aber auch alles anders!

Fastenzeit

Gedichte

Jeder macht ja jetzt Diät,
von morgens früh bis abends spät.
Denn nach dem leberfetten Treiben,
versucht nun standhaft man zu bleiben,
darbt an Zucker, Fett und Kohlhydraten,
Ethanol und manch’ Phosphaten,
ernährt sich nur von dicken Säften,
um Darm und Magen zu entkräften,
trinkt Smoothies, Tees und Detox-Suppen,
will schlank sein wie die Insta-Puppen.
Low-Fat, Low-Carb, Low-Saccharose,
es rutscht schon jetzt so manche Hose.
Heute vier und morgen drei,
stach, stach mit, und hier noch zwei!
Die Kilos purzeln munter,
immer weiter, weiter runter.
Alle diäten wie verrückt,
und sind vom Fasten ganz entzückt.
“Denn wer jetzt noch isst und trinkt,
der ist maßlos und der spinnt!
Bier, Genuss und Völlerei,
all‘ das ist uns Einerlei!“
Intoleranzen, Dünst-Rezepte,
füllen nun die Small-Talk-Sätze.
Böse Fette, ganz versteckte,
und erst die Stoffwechseleffekte!
Ganz Deutschland ist im Fastenfieber,
ach, Deutschland, dick bist du mir lieber!

Das Hipster-Café

Gedichte

Zuckerdosen mit Goldrand
und Jungmadamsen an Tischchen,
sitzen an der Abrisswand.
Auf Omas Sesseln in beige Velours,
ein Herr mit Bart,
einsam, ein bisschen,
wünscht sich was und träumt auch nur.
Suchende Blicke,
Käsensahnestücke.
Die Damen ignorant!
Tragen schwarze Mappen,
und Start-Up-Gedanken.
Ein neues Wasser mit Soda?
Viel Venture-Capital, oder?
Gestrickte Pullis,
Gezückte Kulis,
auf Sofas mit Fransen dran,
grübeln überm Businessplan.
Also, nee!
Da geht der Mann.

Paris Bar

Gedichte

paris-bar002

Nackte Leiber, Brauntapete.
Ärsche und stand still and rot.
God is busy, Poprakete,
Kippi ist hier niemals tot.
Die Mücke singt.
Der Dicke swingt.

Many Püppchen und Capote,
Romy blickt mit strenger Miene,
Augusts Schildchen, wandvoll Tote.
kokett grinst Zigarettentrine.
Strange Adventures in Berlin,
da musste mit, da musste hin!

Gestern wieder spät gewesen,
in spreegolden Friedrichshain.
Serge lächelt unterm Tresen,
Gout de mar, ganz ungemein.
Je ne sais qoui.
Deux Eau de vie!

Neben mir sitzt Toni,
Erdmann fliegt nach Tinseltown.
en face thront Vroni,
schlürft lila Muschelschaum.
Der blaue Fisch,
zum Russentisch.

Verrückt, verdreht, an Decke
Dadacollage, Weltverkehr,
und vor der Toilette,
geht’s besonders heiß her.
Santé und Laut Hurra,
Du altversaute Paris Bar!

Der Vorsatz

Gedichte

Im neuen Jahr soll es gelingen,
will meine Fehler nun bezwingen.
Ein Prost auf’s „Ich“, wie’s früher war,
ein neuer Mensch im neuen Jahr!

Doch nach den Weihnachtsfeiertagen,
muss ich mich mit den Steuern plagen,
so wird vertragt auf Februar,
der Vorsatz aus dem Januar.

Der Februar ist ach so trist,
dass noch kein Platz für Neues ist.
In diesem neblig Trüben, Nassen,
lässt beileibe kein Entschluss sich fassen!

Wenn erst der März schon wäre …
ach, mit ihm kommt Frühjahrsschwere.
Im April ist sie bezwungen,
doch wird das Haus nun abgewrungen.

Ah, da kommt der Mai,
der ist, wie immer, schnell vorbei.
Im Juni ist es viel zu schön,
um selbstkritisch in mich zu gehn’.

Der Juli, uff, welch große Hitze,
wo ich doch schon beim Nichtstun schwitze!
Nein, so lässt sich nichts kreieren
und auch der Vorsatz muss pausieren.

Im August fang ich sodann,
noch mal ganz von vorne an.
Und just bei dem Gedanken,
gerät mein Vorsatz ganz ins Wanken.

Endlich! Der September bricht herein!
Ich will nun ehrlich mit mir sein,
doch überfällt mich in dieser Situation,
die erste Herbstdepression!

So wird er dann erneut verschoben,
um im Oktober zu geloben,
dass der Vorsatz im November,
noch Zeit hat bis Dezember.

Und am ersten Januar
werde ich getrost gewahr:
Es lässt sich jetzt und eben,
auch ohne Vorsatz sehr gut leben.

Bob blies Blues

Gedichte

Bob blies Blues beim Blaskonzert,
doch wie Bob Blues blies war’s verkehrt.
Bob blies den Blues stets viel zu flott,
und warf die Bluesband aus dem Trott.
Da drohte ihm der Dirigent,
mit Rauswurf aus dem Engagement.
doch Bob blies weiterhin gelassen,
da musste Bob die Band verlassen.
Da dachte Bob, so ist das Leben,
dann jazz ich eben!

Wirrkopfs Gute Nacht Gebet

Gedichte

Lieber Gott, bin sehr verwirrt,
heute durch die Welt geirrt,
jetzt lieg ich hier und überlege,
was ich am Abend zu dir bete.

Ob ich heute sündig war?
Ich gehe in mich, aber ja!
Ein bisschen Sünde jeden Tag,
damit man was zu beten hat:

Ich hab dem Fräulein Edeltraud,
beim Frühstück ihre Wurst geklaut.
Dem Fräulein Christel aus der Post,
hab ich zwei Marken weggemopst.

Im Aufzug kniff ich einfach so
Fräulein Plöntzke in den Po.
Mit Sekretärin Soundso,
knutschte ich zehn Minuten auf dem Klo.

Ich weiß, ich bin ganz fürchterlich,
schäme mich erbärmelich,
lieber Gott, ich war das nicht,
ich glaub, es war mein Über-Ich!