Bar 3

Gedichte

Hintergrundwabernder Soulgesang
über lautstark palaverndem Publikum,
stimmgewirre Klangssuppe
in rauchschwangerem Zigarettendunst.

Versammelte Volksbühnenepigonen,
Autoren, oder sonstwas mit Kunst,
tragen normcoreschwarz im Ton.
in ‚ennuyant as attitude‘ – Facon.

Zwei drallblonde Mittexanthippen,
mit Duttfrisur, goldenen Riesenbrillen,
und musternd abwertenden Großstadtblicken
umschwärmen einen Schauspielstar.

Die Frau, en face, an der Bar, 
streichelt sich über ihr Hinterkopfhaar – fortwährend!
It’s too darn hot, summt der Beat,
If you can’t stand the heat,
na, weeste ja.

U.H.

Und plötzlich ist Krieg

Gedichte

Es ist Krieg da draußen und Tod,
und wir stehen stumm und wundern uns,
wie konnte es nur soweit kommen?
Was war davor?
Ja was? Fragen die Toten. 
Ja wer? Ist denn nun Schuld an unserem Tod?
Der eine ist’s! Brüllen alle im Chor.
Es ist nur einer! Sonst keiner!
Wir jedenfalls sind es nicht!
Wir tragen keine Schuld!
Wir sind auf der Seite der Guten!
Wir wollten immer den Frieden!
Und doch beschleicht uns das Gefühl,
konnten nicht wir auch was dafür?
Auch wir sind dem Einen in den Arsch gekrochen.
Auch wir haben seinen Odem gerochen.
Auch wir nahmen sein Geld.
Auch wir bewunderten seine Macht und die seiner Genossen.
Jetzt aber tragen wir Fahnen und Pappschilder, 
und wir hoffen, dass alles wieder wird wie früher.
Wir wollen ihn zurück, unseren guten alten Frieden,
gebaut auf dem Geld von Autokraten und Bürokraten.
Ach, lasst jenen lieber liegen!

Patriarchat

Gedichte

Sie tragen Uniformen mit Schlipsen dran,
und hocken in hässlichen Räumen (viel Glas),
auf hässlichen Stühlen (viel Leder),
essen Plätzchen, stundenlang, 
vor schwarz-weißen Zahlenkolonnen.

Schreibtischstrategen in heroischer Schlacht! 
Kampf um den Kunden, so nennen sie das,
ihr Kriegsgeschwätz, mit millionenschweren Plänen,
von Beratern erdacht (to cover their asses),
und Fingerfood im Vorstandscasino.

Sie kommandieren noch immer wie Wilhelm Zwei.
Befehl und Gehorsam in digitalen Revolutionen.
Gewinnmaximierung, Parolen, PR-Kanonen,
dezimale Kleingeisterei (Zehnerpotenz).
Morgenappell! Pimmelvergleich!

Trigger

Essays, Kolumnen

Wenn ich drüber nachdenke, bin ich in meinem Leben oft getriggert worden. Graf Zahl aus der Sesamstraße war der erste Trigger, an den ich mich bewusst erinnern kann. Er kam, zählte und lachte, zum Lachen kamen diese furchtbaren Blitze und Fledermäuse. Wenn die Blitze zuckten, bin ich sofort ängstlich hinter das Sofa gesprungen! Der melancholische Bert hat mich getriggert und das graue Schlafzimmer von Ernie und Bert – deprimierend. Oder Clowns! Riesentrigger, wer lässt derartige Gruselwesen auf Kinder los?