
Adorno und so
Kunst


Nein, ich male nicht gefällig! Neben meinem Dasein als Künstlerin bin ich Historikerin und Systemanalytikerin. Ich beobachte Systeme, lese Strukturen, analysiere Muster und Zeitgeist Phänomene. Es gibt vieles, was mich innerlich disruptiert – und das muss raus aus mir, um mein eigenes systemisches Gleichgewicht zu halten.
No, I do not paint pleasingly! Besides being an artist I am a historian and systems thinker. I observe systems, analyze patterns, read structures – and zeitgeist phenomena. There is much that disrupts me internally. That has to come out of my body and mind so that I can keep my own systemic balance.
Fallenlassen in Bedeutungen.
Entschweben aus dem was ist,
mit Worten umfließen
Sphären des baldigen
Vergessen-Sein-Werdens.
Vollkommenes Selbstgenügen
im semantischen Formen
von Verbindungen mit der
Unendlichkeit.
Oh, what a bliss.
U.H.
Hurra, Hurra,
wir gründen jetzt ne‘ Szenebar!
In Berlin Mitte,
gleich unter der Werber-Titte.
Da kommen ganz viel Yuppies hin,
das ist genau der Szene Sinn.
Und weil wir sie hassen, zutiefst verachten,
heißt die Aktion: Den Snob ausschlachten!
Neukommunistische Business-Strategie:
Umverteilung wie noch nie!
Luxus-Pinke-Pinke gleich Mitte-Devisen,
hilft halb Kreuzberg aus den Miesen.
Parole Sofort! Ein jeder häuft an,
Schnöselspesen so viel man kann!
German Sozialismus Vierpunktnull,
dafür nochmal das Näschen full.
(Keine Sorge, der Herr,
auf dem Klo gibt’s noch mehr!
Dit is Berlin, wa?
ROFL und Ha!)
Unser Klassenkampfgewissen?
Auf den Bourgeois wird natürlich weiter geschissen!
Kampf dem Spießer und Fremdkapital,
excusez moi, der Champagner wird schal.
U.H.


Ich habe nichts außer Worten und Bilder,
keine Macht, kein Geld, keine Position,
keine reichen Eltern,
und keine Lottomillion.
Ich habe keine C-Level-Freunde,
kein Seil, an das ich mich hängen kann,
und keine High-Class-Verwandten,
samt braungelbem Erbe daran.
An meiner Wand hängen keine Gespenster,
ich lebe nicht von vergangenem Ruhm,
ich bin auch kein Influencer,
auf Kosten Anderleuts Eigentum.
Bin weder bequem,
noch bin ich nett,
dien‘ nicht dem System,
geh’ mit keinem ins Bett.
Ich habe nichts außer Worten und Bilder.
U.H.
Regie
Regieassistenz
Regieassistenzassistenz
Regieassistenzassistenzassistenz
Regieassistenzassistenzassistensassistenz
Regieassistenzassistenzassistenzassistenzassistenz
U.H.
Hört auf zu Jammern! Es ist ja alles längst da. ‚If you desire to see, learn how to act‘ (Heinz von Foerster)
Kommt wir gehen
in den Zustand kollektiver Erschöpfung.
Lasst uns an den Händen fassen
und die Köpfe hängen lassen!
Einfach so.
Wir können nicht mehr!
Wir wollen nicht mehr!
Wir wollen keine Leistungsgesellschaft mehr sein!
Was soll der Mist?
Das ewige Aufstiegsversprechen:
Happier, fitter, richer!
Ruft schon der Kleinstkapitalist.
Wozu?
Wir wollen normal sein.
Warum will das eigentlich keiner mehr?
Normal sein?
Fragt der Economist.
Ausgerechnet der!
So weit ist es mit uns gekommen.
Eine Gesellschaft voller Angeber.
Happier, fitter, richer!
Nie zufrieden mit dem, was ist.
Wir wollen nicht mehr, mehr von dem Mehr!
Wir wollen müde sein!
Und erschöpft und allein –
bitte gerne auf Krankenschein.

Früher, da gab es Denker,
die dachten –
sehr exklusiv.
Und es gab Arbeiter,
die arbeiteten –
zum Denken hatten sie keine Zeit!
Dafür gab es ja die Denker,
die dachten für sie mit –
und fühlten sich sehr revolutionär dabei.
Sie dachten, wie sie das Leben der Arbeiter
wohl verbessern könnten.
Und machten
martialische Theaterstücke daraus.
Oh episches Genie!
Jetzt ist es so,
besser.
Und die Denker haben ausgedient
und die Arbeiter spielen Computerspiele.
U.H.
Wir eskapieren uns
in Zustände flüchtigster Erinnerung.
Ephemer flimmernde Schattenrisse,
in Gaußscher Anomalieverteilung,
wie Stroboskope auf unserer Retina.
Fraktal disruptives Stimulanz Bombardement,
zeitgeistige Neocortex Infusion,
Systempertubation im Sekundenttakt,
Sedieren innerer Zerreißung.
Ein Reel nur noch,
dann ist Schluss,
versprochen!
Ute Hamelmann


Glasig leer ist der Blick,
verkokstes Starren ins innere Nichts.
Maximalgewinn, Pappentrip,
noch ne‘ Line, Partnertausch!
Höher, verstehste, Millionenprojekte.
Rausch folgt Rausch folgt Rausch folgt Rausch.
Kaviar, Sex und Hohlgequatsche,
Glitzertusche, Creditcard,
in hellgrüner Bomberjacke,
Torstraßen-Pop-Prekariat.
Was mit Kunst macht hier jetzt jeder,
Richkids tragen Alditasche,
alle Butts ganz geil mit Leder,
Connections, Queerness, Nazi-Asche.
Berghainschlange, Credskultur,
hell yeah, we are fucking Insta-Aktivisten,
in Asi-Look mit Patek-Uhr,
Partykommunisten in Dauerpose,
Champagner-Cocktail,
Prince of Wales!
Und jene, deren Worte einst gewogen,
Hip-Hip, Chin-Chin, Hurra,
dienen als Designer Slogan,
Heiner Müller gratis an der Bar.
U.H.

Ein jeder hat ein Leid zu pflegen,
höchst ratsam, sich eins zuzulegen.
Das Leid an sich ist dernier cri,
so viel gelitten wurd’ noch nie!
Wer leidet wie? Wer stellt‘s zur Schau?
Ist das ein Leid! Da sag ich ‘wow’!
Man hält sich’s wie ein liebes Tier,
umhegt es sorglich mit Manier.
Das arme Leid, so sagt man sich,
was wär’s denn schließlich ohne mich?


In der Hölle, ich weiß es,
werden sie mich anstarren,
Millionen Facettenaugen,
und mit tausend Rüsseln an mir saugen,
mit ihren haarigen Beinchen über mich trippeln,
und an mir nippeln – immerzu:
trip-pel, trip-pel, nip-pel, nip-pel.
Ihre papierenen Flügelchen werden surren,
stundenlang, tagelang, nächtelang!
S-U-R-R-R-R-R-R-E-N!
Und sie werden sich die kleinen Händchen reiben,
wie sie es immer tun, die Händchen reiben.
und sich genüsslich in Gelächter wiegen,
S-S-S-S-SSSSS…
die tausend toten Fliegen.