Berliner Tagebuch #4

von Alfriede Kerl

Heute in die Welt von Tante L. nach Grunewald entschwebt. Hach! Man möchte am liebsten versinken, in den dunkelblauen, weichen Fauteuils, die einen wie ein kleines Nestchen wohlig umschmeicheln und nie mehr loslassen mögen! L. wandelt indes in eleganten, weiten Seidenhosen über ihre orientalische Auslegeware, durch sonnengelb tapezierte, stuckierte Salons und kredenzt selbstgebackene Küchlein und Kaffee im efeuornamentierten Sommerporzellan – Grazie, Anmut & haut la main. Die Vöglein zwitschern zwischen den Hortensien, ein wohlbeleibtes Springbrunnenpüttlein plätschert gut gelaunt vor sich hin, sanfter Frühlingswind streichelt durch die Birken. Unaufgeregtes Geplauder über diese und jene Kunstausstellung im Lande und melancholisches Schwelgen in Familienerinnerungen. Hach! Hier hat die Welt noch die wohltuende Ordnung eines 80er Jahre Kaffeewerbespots.

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