
Le Mayo Desnudo
Paintings

Es dunkelt
und müde wird mein Blick
erschlaffende Glieder.
Das kleine Glück,
ein Bud und
Freddie Freeloader.

Es ist Krieg da draußen und Tod,
und wir stehen stumm und wundern uns,
wie konnte es nur soweit kommen?
Was war davor?
Ja was? Fragen die Toten.
Ja wer? Ist denn nun Schuld an unserem Tod?
Der eine ist’s! Brüllen alle im Chor.
Es ist nur einer! Sonst keiner!
Wir jedenfalls sind es nicht!
Wir tragen keine Schuld!
Wir sind auf der Seite der Guten!
Wir wollten immer den Frieden!
Und doch beschleicht uns das Gefühl,
konnten nicht wir auch was dafür?
Auch wir sind dem Einen in den Arsch gekrochen.
Auch wir haben seinen Odem gerochen.
Auch wir nahmen sein Geld.
Auch wir bewunderten seine Macht und die seiner Genossen.
Jetzt aber tragen wir Fahnen und Pappschilder,
und wir hoffen, dass alles wieder wird wie früher.
Wir wollen ihn zurück, unseren guten alten Frieden,
gebaut auf dem Geld von Direktoren und Diktatoren.
Ach, lasst jenen lieber liegen!

Sie tragen Uniformen mit Schlipsen dran,
und hocken in hässlichen Räumen (viel Glas),
auf hässlichen Stühlen (viel Leder),
essen Plätzchen, stundenlang,
vor schwarz-weißen Zahlenkolonnen.
Schreibtischstrategen in heroischer Schlacht!
Kampf um den Kunden, so nennen sie das,
ihr Kriegsgeschwätz, mit millionenschweren Plänen,
von Beratern erdacht (to cover their asses),
und Fingerfood im Vorstandscasino.
Sie kommandieren noch immer wie Wilhelm Zwei.
Befehl und Gehorsam in digitalen Revolutionen.
Gewinnmaximierung, Parolen, PR-Kanonen,
dezimale Kleingeisterei (Zehnerpotenz).
Morgenappell! Pimmelvergleich!




Krall‘ meine Hände in das frische Moos,
der Wind trägt knospensüße Luft,
über mir der Gänse schnatternd‘ Flügelschlag,
atme ein den feuchten Erdenduft,
bin ob des Werdens um mich wie benommen –
ich glaub‘, der Frühling ist gekommen.

Kulturbeflissenes Verharren,
in sinnsuchender Vergangenheit.
Repetieren des Immergleichen.
Gähnen. Stöhnen. Langeweilen.
Avantgarde! Avantgarde!
Bürokratisierte Menschreduktion,
Systemsklaventum, machtergeben.
Kretinismus in Willfährigkeit.
Monotonie. Wiederholung. Müdigkeit.
Avantgarde! Avantgarde?
Schade.



In zerrütteten Zeitgeisttagen,
verrücktes Geschrei.
Rabbatz, Krakeel – millionenfach.
Wunsch nach weg sein,
Sofortverschwinden,
sich befreien, sich entbinden,
von dem entsetzlichen Lärmen dieser Welt.
Magier bestellt!
Klopfte mir dreimal auf dem Schopf.
Jetzt bin ich ein Suppentopf.
Im Augenblick des Dichtens,
dehnt sich die Zeit,
bleibt plötzlich stehen,
in Gedankenfragmenten
der Erinnerung.
Tiefer und tiefer sinken wir,
dem Ergründen ergeben,
schwerelos und ohne Angst,
um im endlosen Dunkel,
unserer Seelen,
Worte wie “Schlonz”
zu finden.





(Ein Dramolett)
Sage mir, guter Freund,
was muss ich sein,
dass man mir zutraut,
dass ich selber nicht wüsste,
welch‘ Fehler ich hätt‘?
Dass man wahrhaft glaubt,
dass ich selber nicht wüsste,
welch Wille mich bewegt?
Allein das Urteil
fällen die anderen.
Als ob ES so einfach wäre!
Als ob ICH so einfach wäre!
Lasst euch das eine sagen:
ihr irrt komplett!
Ende vom Dramolett!
Ich arbeite ja beim Lotto. Das sagt man wirklich so: Beim Lotto! Warum weiß ich nicht, aber ich habe das inzwischen übernommen. Seit zwanzig Jahren arbeite ich da schon, beim Lotto. In ganz unterschiedlichen Funktionen. Jedenfalls wird man in so einem Job häufiger mit dem Gedanken konfrontiert: Was wäre, wenn du 90 Millionen Euro gewönnest.
Ja, was eigentlich? Was wäre ein guter Place to live and im Grunde noch viel wichtiger: The place to die?
Sicherlich ist es nicht die Doppelhaushälfte in Datteln mit dem mit Ziegelsteinen aufgebocktem Schreibtisch, die ein mehrfacher Milliardär immer noch bewohnt – so munkelt man zumindest. Aber man will ja auf der anderen Seite nicht so ein neureiches Leben führen und wie Paulchen Protz mit seinem Ferrari und den neuesten Camp David Joppen oder anderweitigen Markenklamotten alle Leute im Dorf nerven. Oh heiliger Schreck! Nein! Dann lieber normal bleiben.
Mondän müsste es sein und dabei lässig. Interessant und abwechslungsreich, aber nicht stressig. Geistreich, aber nicht krampfhaft intellektuell, kosmopolitisch, aber ohne andauernd durch die Welt flitzen zu müssen, dazu ein bisschen frische Luft, Kontemplation, Ästhetik, sehr gutes Essen, Kunst und Sport und oft unterhaltsame Leute zu Besuch. Denn was will man mit viel Pinkepinke, wenn man einsam ist? So einsame Hütten am Ende der Welt braucht kein Mensch! Kurzum, die Leute müssten zu einem selber kommen, weil es da toll ist, wo man ist, ohne dass es nervig wird.