
Alte weiße Männer
Cartoons


(Torbar Berlin 30.10.2023 avec Claudia Langer)
Ich gehe meiner Arbeit nach,
wie die einfachen Leute.
Ich lese morgens die Zeitung – auf Papier,
und trinke Filterkaffee schwarz.
Ich muss nicht besonders sein
nicht öffentlich, exaltiert und sexuell.
Nicht im Sekundentakt die Welt retten.
Das ist wahrlich nicht sehr originell!
Das macht jeder andere schon!
Das kann ich getrost denen überlassen:
Studierten Künstlerinnen (mit Diplom),
Zahnarztgattinnen und dem Feuilleton.
Aber muss man das denn nicht, als Citoyen?
Gehört die Empörung nicht zum guten Ton?
So zumindest macht es der echte Moralist!
J’excuse, ich bin keiner davon.
Zugucken? Für’s Torbar Publikum keine Option!
Mais, eine mehr oder weniger a la fin du monde?
(Indignierter Blick meines Gegenübers)
“Der Rückzug ins Private gleicht Weltkapitulation!
(Ratloser Blick envers)
Du machst das schon!”
Ute Hamelmann
Dunkel hebt sich der Lider Grund,
Trauer umfasst den Wesenszug,
den Tod zu artikulieren sei ungesund,
so repetiert man: Mir geht’s gut!
Man spricht nicht über die Gefühle,
aber über hundert Sorten Bier,
über Aida-Cruises und kaputte Stühle,
Es war so reinlich auf Deck vier!
Über Blendax und Drei-Wetter-Taft,
wie man es all die Wunderjahre tat,
in der kuschelweichen Marktwirtschaft,
wohl, den die Krönung trägt ins Grab!
Ute Hamelmann

„The best thing about making art? Every subject opens up a new world for me. I virtually slip through the canvas into another space, context and time and construct a new reality. That is rebellion, transformation – and monstrous fun.“ (Ute Hamelmann)
„Das beste an Kunst? Durch jedes meiner Sujets erschließt sich eine neue Welt. Ich schlüpfe quasi durch die Leinwand in einen anderen Raum, Kontext und Zeit und konstruiere eine neue, andere Wirklichkeit. Das ist Rebellion, Transformation und monströse Freude!“ (Ute Hamelmann)

Nein, ich male nicht gefällig! Neben meinem Dasein als Künstlerin bin ich Historikerin und Systemanalytikerin. Ich beobachte Systeme, lese Strukturen, analysiere Muster und Zeitgeist Phänomene. Es gibt vieles, was mich innerlich disruptiert – und das muss raus aus mir, um mein eigenes systemisches Gleichgewicht zu halten.
No, I do not paint pleasingly! Besides being an artist I am a historian and systems thinker. I observe systems, analyze patterns, read structures – and zeitgeist phenomena. There is much that disrupts me internally. That has to come out of my body and mind so that I can keep my own systemic balance.
„Wenn die Realität aber schließlich das Paradox brutaler trifft, als ich es mit Kunst beschreiben könnte, versiegt die Quelle meiner Kreativität aus Scham vor der menschlichen Banalität.“ (Ute Hamelmann)
„But when reality finally hits the paradox more brutally than I could describe it with art, the source of my creativity dries up out of shame of human banality.“ Ute Hamelmann
Fallenlassen in Bedeutungen.
Entschweben aus dem was ist,
mit Worten umfließen
Sphären des baldigen
Vergessen-Sein-Werdens.
Vollkommenes Selbstgenügen
im semantischen Formen
von Verbindungen mit der
Unendlichkeit.
Oh, what a bliss.
U.H.
Hurra, Hurra,
wir gründen jetzt ne‘ Szenebar!
In Berlin Mitte,
gleich unter der Werber-Titte.
Da kommen ganz viel Yuppies hin,
das ist genau der Szene Sinn.
Und weil wir sie hassen, zutiefst verachten,
heißt die Aktion: Den Snob ausschlachten!
Neukommunistische Business-Strategie:
Umverteilung wie noch nie!
Luxus-Pinke-Pinke gleich Mitte-Devisen,
hilft halb Kreuzberg aus den Miesen.
Parole Sofort! Ein jeder häuft an,
Schnöselspesen so viel man kann!
German Sozialismus Vierpunktnull,
dafür nochmal das Näschen full.
(Keine Sorge, der Herr,
auf dem Klo gibt’s noch mehr!
Dit is Berlin, wa?
ROFL und Ha!)
Unser Klassenkampfgewissen?
Auf den Bourgeois wird natürlich weiter geschissen!
Kampf dem Spießer und Fremdkapital,
excusez moi, der Champagner wird schal.
U.H.


Ich habe nichts außer Worten und Bilder,
keine Macht, kein Geld, keine Position,
keine reichen Eltern,
und keine Lottomillion.
Ich habe keine C-Level-Freunde,
kein Seil, an das ich mich hängen kann,
und keine High-Class-Verwandten,
samt braungelbem Erbe daran.
An meiner Wand hängen keine Gespenster,
ich lebe nicht von vergangenem Ruhm,
ich bin auch kein Influencer,
auf Kosten Anderleuts Eigentum.
Bin weder bequem,
noch bin ich nett,
dien‘ nicht dem System,
geh’ mit keinem ins Bett.
Ich habe nichts außer Worten und Bilder.
U.H.
Regie
Regieassistenz
Regieassistenzassistenz
Regieassistenzassistenzassistenz
Regieassistenzassistenzassistensassistenz
Regieassistenzassistenzassistenzassistenzassistenz
U.H.
Hört auf zu Jammern! Es ist ja alles längst da. ‚If you desire to see, learn how to act‘ (Heinz von Foerster)
„Ich mache Kunst aus einer Not heraus, welche überlasse ich dem Betrachter.“ U.H.
„My art comes from distress, which one I leave it to the viewer.“ U.H.
Kommt wir gehen
in den Zustand kollektiver Erschöpfung.
Lasst uns an den Händen fassen
und die Köpfe hängen lassen!
Einfach so.
Wir können nicht mehr!
Wir wollen nicht mehr!
Wir wollen keine Leistungsgesellschaft mehr sein!
Was soll der Mist?
Das ewige Aufstiegsversprechen:
Happier, fitter, richer!
Ruft schon der Kleinstkapitalist.
Wozu?
Wir wollen normal sein.
Warum will das eigentlich keiner mehr?
Normal sein?
Fragt der Economist.
Ausgerechnet der!
So weit ist es mit uns gekommen.
Eine Gesellschaft voller Angeber.
Happier, fitter, richer!
Nie zufrieden mit dem, was ist.
Wir wollen nicht mehr, mehr von dem Mehr!
Wir wollen müde sein!
Und erschöpft und allein –
auf Krankenschein.

Früher, da gab es Denker,
die dachten –
sehr exklusiv.
Und es gab Arbeiter,
die arbeiteten –
zum Denken hatten sie keine Zeit!
Dafür gab es ja die Denker,
die dachten für sie mit –
und fühlten sich sehr revolutionär dabei.
Sie dachten, wie sie das Leben der Arbeiter
wohl verbessern könnten.
Und machten
martialische Theaterstücke daraus.
Oh episches Genie!
Jetzt ist es so,
besser.
Und die Denker haben ausgedient
und die Arbeiter spielen Computerspiele.
U.H.