
Entropie eines Systems, L’entropie d’un systeme ein neues Theaterstück, was ich mir gerade imaginiere. Es ist ein großer Spaß sich Bühnenstücke auszudenken, denn ich schreibe unfassbar gerne schräge Dialoge! It’s all about communication, baby.

Entropie eines Systems, L’entropie d’un systeme ein neues Theaterstück, was ich mir gerade imaginiere. Es ist ein großer Spaß sich Bühnenstücke auszudenken, denn ich schreibe unfassbar gerne schräge Dialoge! It’s all about communication, baby.
Fragen Sie sich nicht auch an manchen Tagen,
zum Beispiel samstags in der Schlange vor dem Wertstoffhof im Wagen,
was denn nun wirklich unsere Welt,
im Innersten zusammenhält?
Spinoza und Leibniz habe ich gelesen,
bin an den wundersamsten Orten gewesen,
noch vor ein paar Wochen als Touristin in Rom,
flanierte ich durch den Petersdom.
Habe fromm an mancher Reliquie gehangen,
an Katharinas Grab gestanden,
bin die Heilige Treppe hoch gekrochen.
habe auf jeder Stufe ein ‘Vater unser’ gesprochen.
(Ich bin nicht blöd, mir ist bewusst,
die ganze Welt ist ein Konstrukt.
Das System der Religion
ein Instrument der Repression.)
Ja, ja, so lächelt gütlich nun der Atheist,
denn ER sieht alles, wie es ist.
Hebt an, um freundlich darzulegen,
dass doch alles hier auf dem Planeten.
naturwissenschaftlichen Ursprungs sei,
Der Mensch, Chemie im Weltenbrei.
Ach, ruft da jemand, recht haben Sie!
Gott ist fürwahr ein Mathegenie!
(Mit einer Vorliebe für Harmonie.)
Professoren sind seinem Rätsel auf der Spur:
Indes, einen Bruchteil lösen sie nur.
Erforschen das All, Protonen, Neuronen.
den Urknall, Monaden, Quarks und Hadronen,
doch schier unendlich sind die Variationen,
des Unbekannten hinter ihren Konklusionen.
Und weil sich das Welträtsel niemals lösen lässt,
verhält es sich ähnlich mit dem Rest:
Gott ist die Leerstelle, Substanz, ein Zwischenraum,
das Unbekannte, Ambivalente, der wirre Traum.
Verdammte Scheiße! Das ist zu vage!
Hör ich der Atheisten Klage.
Sie wollen es lieber eindeutig regeln,
statt in Ambivalenz zu leben.
Für mich ergibt sich folgende Konstante:
Gott ist das große Unbekannte!
In diesem Zwischenraum, das lässt sich konstatieren,
mag Gott*in rosa Punschkrapfen schnabulieren.
im Schwarzen Kameel links hinter der Tür,
“Ich habe Sperrmüll und Papür!”
UH
So ist der Gedanke
schließlich und unausweichlich.
Weil ich dann liegen werde,
in dem Sarg,
auf dem Katafalk.
Und es werden Menschen da sein,
vielleicht.
Und ich werde alt sein,
vielleicht.
Und mein schönstes Hemd tragen,
vielleicht.
Jemand wird nette Worte sagen,
vielleicht.
Aber zuvor, sehr lange schon, bin ich
durch manchen Abschied gegangen.
Weil ja ab irgendwann
alles ein Abschied ist.
UH
***
That’s how the thought is,
ultimately and inevitably.
Because then I will be lying there,
in the coffin,
on the catafalque.
And there will be people there,
perhaps.
And I will be old,
perhaps.
And wearing my finest shirt,
Someone will say kind words,
perhaps.
But before that, for a very long time, I have
gone through many farewells.
Because at some point,
everything is a farewell.
UH
english version below
Eines meiner Lieblingsbücher ist “Der Sandman” von E.T.A. Hoffmann. Ich las es als Schullektüre und es verschlang mich regelrecht: Schwarze Romantik, Mensch versus Maschine-Thematik, Wahnsinn, Erotik, Tod – faszinierend!
Ein paar Jahre später schmökerte ich in Sigmund Freuds Werk herum. Er schien gleichermaßen elektrisiert von dem hoffmannschen Werk, so dass er ihm in seiner Abhandlung “Das Unheimliche” ein paar Seiten widmete. Doch was musste ich dort lesen? Praktisch alles im Sandmann drehe sich ausschließlich um Kastrationsangst. Siggi du alte Säge, dachte ich grimmig, welch impertinente Vereinfachung! Nicht alles im Leben hat Kastrationsangst oder Penisneid als ultima ratio. Faust: Kastrationsangst, Effi Briest: Penisneid, Hamlet: Kastrationsangst, Madame Bovary: Penisneid – oder wie jetzt? Das ist doch unterkomplex!
What is the “Salon des Imposteurs”? A club? An association? A secret society? An art action? A group of artists? A bit of everything. Above all, a lot of disruptive creative anarchy and a lot of Niklas Luhmann. Our series “Salon des Imposteurs X Niklas Luhmann” marks the beginning:


Meine Mutter ist 75 Jahre alt. Davon verbrachte sie alle in unserem Dörfchen im Münsterland. Für sie ist unser Dorf der Nabel der Welt. Es gibt kein besseres Plätzchen zum Leben und Sterben. Rom, Dubai, London, Wien: Diese Städte fand sie am ersten Tag imposant, am zweiten hatte sie an allem was herum zu mäkeln, um am dritten Tag erleichtert festzustellen: Senden ist einfach das Allerbeste! Dabei ist es nicht mal besonders schön, unser Dorf.
Auch ich lebe inzwischen seit 49 Jahren hier und auch ich bin inzwischen der Überzeugung: Es gibt keinen besseren Ort zum Leben! Das mag am kognitiven Framing liegen, dass auch ich noch nie woanders gelebt habe, außer einem halben Jahr in Gütersloh Media-Worldwide.
Aber hey, der “New Yorker” liegt nur einen Tag später bei uns im Briefkasten als auf den Coffee-Tables im Greenwich Village. Ich überfliege jeden Morgen die New York Times, le Monde und den Guardian und arbeite in Mitten in Frankfurt in einem Großkonzern mit Menschen aus allen Nationen. Für die Met habe ich ein Opera-On-Demand-Abo – und wenn ich besonders eindrucksvolle Schauspieler*innen auf der Bühne sehen will, fahre ich eine halbe Stunde mit dem Auto nach Bochum oder Recklinghausen.
Jungvolk im Schnöseldress.
Heilchen Hitler, more or less,
Parolenpartys in Pony Bar,
Mit rosa Wangen und Scheitel im Haar.
Ein Gefühl von Übermenschlichkeit.
Smart lächelndes Privilege in White.
Ivy League auf deutsch.
Jungkapitalistische Seitenscheitel-Boys.
Perlenkette auf Kaschmir-Vibe.
Girls im Upperclas Trad-Wife-Style.
Lachen über den Neger-Witz,
Konservative Revolution mit Aperol Spritz.
Rolex trägt’s jeunesse Nazi-Preppy
New Money Supremacy, voted by East-Germany.
Altsysteme? Woke, versiffte Prekarier.
Der Rich-Kid-Arier baut’s Neugermania!
UH!
As an artist, it is your strength to be able to endure the paradoxes of the modern world and turn it into something – at least to not go mad.
Paradoxes. Contradictions. Complexity – a mash-up of these three may be art.

80er Sonntagslähmung,
wonach sich heute jeder sehnt,
man popelt in der Nase rum
und hofft, dass sich was regt.
Gediegenheit hinter Tüllgardinen,
Im umzäunten Vorgarten die Primel thront,
Durchwandle normierte Doppelhaushälften,
in denen auch das Böse wohnt.
Der Wind ist plötzlich ausgegangen,
als lägen tausend Hunde begraben,
Weltenleere auf grauem Asphalt
jemand hat zum Duell mich geladen
(werde sehr nass).
Ute Hamelmann



In der DB Lounge in Frankfurt schlürfe ich einen kostenlosen Automatenkaffee. Vor mir liegt die Zeitschrift “Business Traveller”. Ich blättere lustlos in dem Heft. Der Business Traveller ist so eine Art eigene Klasse, a league of their own, denke ich. Klassen gibt es nicht mehr, sondern nur noch Sinus Milieus. Im Kartoffeldiagramm der Sinus Milieus sucht man ihn allerdings vergeblich, den Business Traveller. Noch! Denn er ist eine große, weltumspannende Kohorte. Es gibt 445 Millionen Business Travels pro Jahr, Tendenz steigend. Ein Boom-Markt mit fantastischen Wachstumsprognosen: 2.000 Milliarden Dollar Umsatz in 2028.
Beruflich bin ich wieder viel unterwegs. Die Zeiten allerdings, in denen ich auf Dienstreisen durch nächtliche Arbeiterviertel streifte, um in surrealen Kunst-Performances und stylishen Geheimbars zu landen (Madrid) oder in schummrigen Queerclubs am Rive-Gauche zu blutigen Geburtsvideos mit butchigen Lesben zu schwofen (Le Pulp, Paris), sind vorbei. Ich suche Safe-Spaces! Das sind für mich solche, in denen ich ohne viel Tam-Tam mit Ende vierzig ein entspanntes Bierchen schlürfen und trotzdem ein unverfängliches Abenteuer erleben kann, welches spätestens um neun Uhr endet.
Was halten Sie von der Zauberflöte?
Zerstreuung, so wichtig,
man wird sonst verrückt, wissen Sie,
überall diese Nöte!
Nichts passt mehr richtig,
Münster Programm: “Give a peace –
Wallenstein!” Klingt anspruchsvoll,
Haben Sie die toten Kinder gesehen?
Rigoletto? Ach, den kenne ich schon!
Die in Gaza, ja, kann man nicht verstehen.
Dreigroschenoper? Zu frivol!
Deutsche Waffen seien es gewesen.
Ich würde ja gerne nach Bochum
ins Schauspielhaus.
na, dieser Hüller wegen.
Irre Frau, ganz toll!
Die Israelis müssten raus.
Pardon! What about Staatsräson?
Jetzt doch die Münster Carmen?
Rechts, Parkett?
Großes Haus?
Man könnte sich doch vertragen.
Bestellen Sie das Pausengedeck?
Stattdessen Kinderleichen in Etagen.
Extra Brezel und zwei Sekt.
So viele Tote, kein Erbarmen.
Münster ist nicht Bochum!
Gebucht? Perfekt.
Ach, diese weltweiten Dramen,
Was? Fünf Stunden der Bizet?
Herrje! Das müssen wir jetzt auch noch
ertragen.
(Und das Handy bleibt aus!)
U.H.



